Der Paraclimbing Weltcup in Innsbruck stand wie all die Jahre zuvor vom 15.6. bis zum 16.6.2026 vor der Tür und ich dachte mir (wie schon 2024) – warum nicht mal wieder mit dem Sokarbike?! Dieses Mal aber mit der deutlich verbesserten Version, dem „Racer“, den ich schon 2025 für den SunTrip Marokko und die danach folgenden Rekordfahrten mit bis zu knapp über 400km an einem Tag aufgebaut und vorbereitet hatte.

Die Tour entpuppte sich als wahres best-case Szenario unter fast durchgehend traumhaften Bedingungen gepaart mit starker Leistung und völlig ohne Akkuladung vom Netz – die Tour war Solar- und Muskelpower-pur. Hier die Zusammenfassung in Tabellenform:
| Tag | Start/Ziel | km | Wh/km | Ø km/h | Wh Motor | Solar Wh | Reku % | ↗ m | ↘ m | ↗↘ netto |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | Anfahrt zur Fähre Alcudia | 75 | 6,0 | 23,4 | 445 | 900 | 8% | 360 | 360 | 0 |
| 1 | Toulon-Aspremont | 211 | 10,8 | 24,4 | 2.290 | 2.100 | 6,7% | 2.280 | 1.550 | +730 |
| 2 | Aspremont-Genf | 258 | 8,2 | 24,2 | 2.115 | 2.200 | 17,4% | 2.550 | 2.860 | −310 |
| 3 | Genf-Zug | 275 | 6,6 | 23,5 | 1.808 | 2.400 | 14,6% | 2.230 | 2.240 | −10 |
| 4 | Zug-Innsbruck | 295 | 7,6 | 22,3 | 2.214 | 2.100 | 15% | 2.990 | 2.840 | +150 |
| ∑ | 1114km | 8,16Wh/km | 23,6km/h | 8,9kWh | 9,7kWh | ~13% | 10.410m | 9.850m | +560m |
Ergänzend sei noch erwähnt, dass ich die Tour nicht mit vollem Akku gestartet habe, deswegen auch die deutlich höhere Solar Ausbeute als Verbrauch an Tag 1. Generell ist der Akku auf der Tour nie komplett voll gewesen (aber oft nahe dran mittags/nachmittags). Verbrauch von kochen, Licht, USB-Geräte laden usw. ist nicht in der Statistik erfasst. Darauf entfallen aus Erfahrung ca. 0,3kWh pro Tag. Am Ende der Tour hatte der Akku noch einen Zellspannung von ca. 3,63V was rund 45% Ladezustand entspricht.
Hier die Daten zu Zeiten und Gesundheit:
| Tag | Start/Ziel | Bewegungszeit | Standzeit | kcal | Ø Herzfreq. | Schlaf vorher | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | Anfahrt zur Fähre Alcudia | 3h14m | 1h10m | 1.631 | 119 | 4h07m | Einmal quer über die Insel zum Fähre mit viel Aufregung und Nervosität |
| 1 | Toulon-Aspremont | 8h38m | 1h52m | 3.900 | 118 | 10h27m (Fähre) | Start um 9:00 Uhr am Hafen & hinauf in die Berge |
| 2 | Aspremont-Genf | 10h37m | 4h22m | 5.503 | 114 | 6h42m | Viele Reparaturstopps wegen Schleifgeräuschen |
| 3 | Genf-Zug | 11h43m | 3h33m | 5.145 | 112 | 4h39m | Relativ flache Etappe mit durch CH |
| 4 | Zug-Innsbruck | 13h12m | 3h59m | 5.836 | 112 | 5h35m | 2x Lade- und Motorkühlpause am Arlberg, letzten 3h im Regen |
Alles in allem war ich jeden vollen „Fahrtag“ zwischen 15 und 17h auf den Rad unterwegs incl. Pausen, 6h im Bett und ca 2-3h mit sonstigen Dingen beschäftigt. In der Regel benötigte ich jeden Morgen ca. 1h15m vom Wecker (5:00 Uhr) bis zum Start der Tour und am Abend ähnlich um wieder ins Bett zu kommen.
Die langen Distanzen Tag für Tag waren vor allem dem guten Wetter zu verdanken, denn ohne jeden Tag über 2kWh von der Sonne an Energiemenge geschenkt zu bekommen wären dies völlig unmöglich gewesen. Vor allem am letzten Tag hatte ich pures Glück auch hier noch über 2kWh von der Sonne zu erhalten während es vor und hinter mir am Arlberg bereits heftig regnete … genau wie auch an den Tagen nach meiner Ankunft. Punktlandung – und am Ende sollte ich mit 45% Akkuladung mitten im Regen in der Nacht in Innsbruck an Ziel stehen.
Nun die Reise Stück für Stück im Detail:
Gemäß dem Motto „ein Solarbike ist niemals fertig“ sind nach Marokko wieder einige Verbesserungen mit eingeflossen, einiges davon (z.B. Aerodynamik Vollverkleidung) musste leider wieder verworfen werden und wurde am Tag vor der Abreise wieder abgebaut.

Am Ende bin ich (mal wieder) mit einem Solarbike los gezogen, was im Bezug auf den hinteren Aufbau nur sehr wenig Testkilometer auf dem Tacho hatte. Die Basis von Motor bis Solarzellen waren hingegen seit über einem Jahr unverändert und Tausende Kilometer erfolgreich getestet und verbessert worden, insofern war ich mir relativ sicher, dass es auch im worst-case schon irgendwie klappen würde.
Der erste Tag begann um 7 Uhr morgens mit der „Standardprozedur“ – das Solarbike einmal quer über die Insel zur Fähre fahren. Bei bestem Solarbike-Wetter machte ich mich also auf den Weg nach Alcudia und natürlich kreisten im Kopf meine Gedanken rund um die Tour – Respekt vor der gestellten Aufgabe und Angst, nichts vergessen zu haben – und wie würde es mit dem Hub-Motor und den starken Steigungen und Gepäck funktionieren?! Natürlich ist das Setup die Mallorca Inselrunde in der 312 und auch der 405km Version binnen eines Tages gefahren, letztere mit über 5600 Höhenmetern – die aber ohne Gepäck. Wird die Heckverkleidung einen aerodynamischen Vorteil bringen und die Fahrt überleben? Fragen über Fragen, am Ende stand ein Verbrauch von 6,6 Wh/km auf dem Tacho und ein 100% geladener Akku während der Wartezeit vor der Fähre, der am Morgen beim Start gar nicht voll war.

Thema Akku: Kurz vor der Abreise hatte ich nochmals einen Kapazitätstest durchgeführt, Ergebnis leider deutlich schlechter als erwartet. Aus meinen einst knapp über 2kWh Akku waren nur noch 1,7kWh durch vermutlich Degeneration der recycelten Zellen geworden. Das Ergebnis ist keine Überraschung, aber ein deutlicher Hinweis, die Sache im Auge zu behalten und ggf. schon mal einen Nachfolger zu erwägen.
Am Check In zur Fähre wurde ich mit den Worten „Du schon wieder, geht es wieder auf die Reise? Wir kennen Dich doch!“ begrüßt 🙂 und nach Wartezeit gemeinsam mit anderen Bikepackern ging es dann auf die Fähre. So langsam kam mir der Gedanke, wo eigentlich mein Netz-Ladegerät im Gepäck liegt, denn irgendwie konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, es darin gesehen zu haben. Wie sich später heraus stellen sollte, die Eingebung war genau richtig, denn es lag zu Hause. Hupsi! Bei allen vorherigen Reisen außer Marokko (die ich aufgrund der kurzen Dauer jetzt nicht zählen würde) kam es jedoch immer früher oder später zu dem Moment, wo ich darauf zurück greifen musste. Und jetzt? Im SunTrip Rennen gilt der Griff zum Netz-Ladegerät als Disqualifikation und ich wollte sowieso schon einmal testen, ob und wie das Solar-only Prinzip mit meinem Setup und Langstrecke funktioniert. Jetzt war ich also dazu gezwungen …
Die Nacht auf der Fähre war erholsam und am nächsten Morgen um 9 Uhr ging es direkt wieder los: Herunter von der Fähre, rein in die Stadt und möglichst elegant hindurch – wie schon 2024 auf der exakt gleichen bewährten Strecke.
Gleich hinter Toulon ging es bei bestem Sonnenschein hinauf in die Provence, sodass die Batterie nie unter 80% entladen wurde. Direkt hinter Toulon wählte ich schon eine andere Route als 2024, denn dieses Mal sollte es nicht durch Italien und die Schweiz nach Österreich gehen, sondern direkt von Frankreich über Genf in die Schweiz und dann weiter über Liechtenstein nach Österreich.
Und nun ging die Rechnerei los: Wie weit könnte ich es heute realistisch schaffen? Welchen Energieverbrauch schaffe ich mit meinem Gepäck und der Steigung? Wie sieht das Wetter die kommenden Tage aus? Laut der Wetterapp „Windy“ sah es die kommenden Tage noch gut aus, aber ca. 3 Tage voraus drohte vor allem in der Alpenregion schlechtes Wetter. Effizient und konstant „Strecke machen“ war also das Motto und so kurbelte ich mich Hügel für Hügel durch die bezaubernde Landschaft. Leider machte sich direkt auch die wenig getestete Heckpartie in Form von deutlich hörbaren Schleifgeräuschen bemerkbar.

Das Gepäck hatte sich nach zahlreichen Kilometern und Erschütterungen „gesetzt“ und von innen gegen die Reifen gedrückt. Mehrere Versuche, das Problem zu beseitigen, scheiterten früher oder später. Am Ende war Ignorieren die (schlechte) Lösung für diesen Tag.
Mittags wurde der Akku sogar bis zu 96% wieder aufgeladen und ich war verhalten zuversichtlich, dass die Strecke auch ohne Ladegerät im Rahmen von meinem 7-tägigen Zeitfenster zu schaffen sein würde, wenn das Wetter halbwegs hält. Ich beendete den Tag nach 211km in den Berge bei Aspremont, deutlich über dem mindestens erforderlichen Durchschnitte von ca. 145km pro Tag.
Nach einer kurzen Nacht klingelte um 5 Uhr schon der Wecker und an Tag 2 ging es kurz nach 6 Uhr zum Sonnenaufgang auf die Strecke, weiter hinauf zum „Col de la Croix Haute“ mit 1179m üNN – der zweithöchste Punkt dieser Reise!


Die Strategie ist generell so viel wie möglich Zeit mit der Sonne am Himmel unterwegs zu sein und so wenig Zeit wie möglich im Schatten zu verbringen. In den frühen so wie auch den späten Stunden des Tages kommt die Energie meist mehrheitlich aus dem Akku, während um die Mittagszeit mit hohem Sonnenstand die Gelegenheit gibt, den Akku selbst während der Fahrt und vor allem den Pausen wieder langsam aufzuladen.

Das Ziel ist also immer, den Akku fast aber nie ganz voll zu haben, denn dann würden die Solar Laderegler abregeln und potentiell verfügbare Energie würde „verloren“ gehen. Auch funktioniert die Bremsrekuperation d.h. Energierückgewinnung beim bremsen nicht mehr bei vollem Akku. So ging es also hinab nach Grenoble, jedoch musste ich alleine 2x auf der Abfahrt anhalten und mich um meine Schleifgeräusche kümmern … am Ende blieb nur die komplette Demontage des Rades an der betroffenen Seite und das ganze Ausmaß wurde sichtbar.

Eine nachhaltige Lösung musste her – die Seitenwand mit dem Messer durchstochen selbige wurde dann mit einer Kabelbinderkette vom Reifen fern gehalten. Weiter ging dann fast ohne Schleifgeräusche den Berg hinunter und durch die Stadt Grenoble hindurch und weiter in Richtung Genf. Der Tag fühlte sich endlos zäh an aufgrund der häufigen Stopps und auch der nervigen Stop&Go-Passagen in den Städten. Am Ende hieß es nach nur 2 Tagen schon „Au revoir France, bonjour la Suisse!“ und nach 258km suchte ich mir ein Hotel nahe Genf. An Tag 2 fühlte sich das Energiemanagement schon deutlich routinierter an und ich wurde sicherer in der Einteilung meiner Ressourcen.
Nach einer weiteren kurzen Nacht im Hotel ging es wieder morgens sehr früh auf die Straße entlang am Genfer See hinüber zum Neuenburgersee. Was für eine wunderschöne Gegend! Der Wetterbericht sprach inzwischen eine relativ klare Sprache was die kommenden Tage angeht: Ich sollte nur noch diesen und nächsten Tag schönes Wetter haben, danach sah es bis zum Ende meines Zeitfensters sehr regnerisch aus, vor allem in meiner Zielregion Österreich. Ungemütliche Vorstellung, vor allem ohne Netz-Ladegerät. Es gab also nur ein Motto: So weit und effizient fahren und die guten Tage möglichst gut nutzen!

Innerlich setzte ich mir das Ziel, an diesem Tag so weit in der Schweiz zu kommen, dass ich zumindest theoretisch am Folgetag die Strecke über den Arlberg und hinunter bis nach Innsbruck schaffen können würde. Zusätzlich kam mein Solarbike-Kollege Daniel aus der Schweiz zu Besuch an die Strecke und überließ mir eines seiner 48V Ladegeräte, mit dem ich im Notfall mein 52V System zumindest teilweise laden können würde falls ich mit leerem Akku im Regen irgendwo liegen bleiben sollte. Apropros liegen bleiben: Ich hatte natürlich die gängigsten Werkzeuge dabei, ja sogar einen 12V Lötkolben, den ich am Bordnetz betreiben kann bis hin zu Hängematte, Tarp und Schlafsack, mit dem ich unter dem Solardach biwakieren könnte. Auch einen selbst gebauten Tauchsieder für mein 52V System habe ich mit dabei (bestehend aus 2 in Reihe geschalteten 24V-LKW-Zigarettenanzünder-Tauchsiedern), mit dem sich ein halber Liter Wasser binnen ca. 4 min zum kochen bringen lässt!

In Kombination mit gefriergetrockneten Tüten-Mahlzeiten oder Schnellgerichten ein extremes Upgrade im Vergleich zu meinen vergangenen Solarbike Touren, wo es warme Mahlzeiten nur in Restaurants gibt – und essen gehen kostet Zeit, Zeit in der man nicht rollen kann! Der Stromverbrauch einer Koch-Aktion ist übrigens ca. 45Wh bei einem halben Liter Wasser was ca. 1,5km bergauf Fahrt oder ca. 6km Fahrt in der Ebene entspricht. Das Solardach produziert real in der Mittagszeit bei optimalen Bedingungen ca. 300W, der Kocher verbraucht rund 450W. Bei guten Bedingungen ist der Energiebedarf zum Kochen also absolut vernachlässigbar und das gesamte System wiegt deutlich weniger als andere Systeme mit Gaskartusche etc und ist deutlich eleganter in Verbindung mit der Energie, die man sowieso zur Verfügung hat. Eine warme Mahlzeit wirkt mental echte Wunder an diesen fordernden Tagen.

Den Tag beendete ich schließlich in Zug nach rund 275km. Ein Dank geht hier an David, der mich rettete, ohne ihn wäre ich niemals an den extrem hoch hängenden Schlüsselkasten gekommen! Ja, ich gehe gerne in Unterkünfte und beschließe meist erst nach 19 Uhr wo hin ich gehe und checke meist relativ spät ein – bei Hotels ohne Personal endet es immer in einem Glücksspiel mit den weit verbreiteten Schlüsselkästen. Natürlich könnte ich auch biwakieren, aber der Erholungsfaktor ist bei einem festen Dach über dem Kopf einfach deutlich höher.
Noch eine schnelle warme Mahlzeit, Dusche und ab ins Bett und der Blick auf die Wetterkarte sagte mehr Bewölkung und abends sogar Regen für den zuvor noch gut gemeldeten Tag voraus. Trotz meiner großen Etappe blieben immer noch knapp 300km übrig mit knapp über 3000 Höhenmetern und der höchste Punkt der Tour mit pber 1800m über dem Meer: Der Arlbergpass. Mir machen solche Pässe relativ großen Respekt, da ich einen Hubmotor fahre, d.h. ein auf der Achse sitzender Getriebemotor, der vor allem bei niedrigen Drehzahlen (Berge) ineffizient ist, ganz im Gegensatz zum Mittelmotor, der über die Kette und mit Getriebe den Tretantrieb unterstützt. Dafür kann ein Hubmotor Energie beim Bremsen zurück gewinnen, der Mittelmotor nicht. Zusätzlich belastet und verschleißt ein Mittelmotor den Antriebsstrang (Kette, Ritzel) erheblich viel schneller. Eine perfekte Lösung gibt es also nicht, und wer beide Lösungen kombiniert, der trägt am Ende deutlich mehr Gewicht mit sich herum.
Zurück auf die Strecke: 300km und 3000 Höhenmeter bin ich bei meinen Rekordfahrten auf Mallorca bereits locker gefahren, allerdings ohne Gepäck und auf Mallorca gibt es keinen Anstieg, der mit dem Arlberg vergleichbar ist. Aber wie heißt es so schön: Abenteuer ist es nur, wenn man nicht schon vorher weiß, wie es ausgehen wird…
Der nächste Morgen begann wieder um kurz nach 6 Uhr auf der Straße und bei erstem Sonnenlicht befand ich mich bereits im Montags-Berufsverkehr im Umland vom Zug auf dem Weg hinauf über den Hirzelpass. Ein Anstieg aus der Kategorie „knackig“ mit und Verkehrslage des Todes. Bergauf kaum eine Lücke, bergab Stau in die Stadt hinein, hier auf der Straße mit wenigen km/h den Berg hoch schleichen ist keine Option. Es gibt einen Bürgersteig, der auch als „Radfahrer geduldet“ beschildert ist – wohl in weiser Voraussicht ob der Verkehrssituation.

Ich habe generell sehr gemischte Gefühle zu Radwegen, da nicht alles was am Anfang gut aussieht, am Ende mit meinem 3m langen und 90cm breiten Solarbike auch wirklich funktioniert. So auch hier, am Ende nur noch ein schmaler Teerstreifen ohne Absicherung über dem Abhang des Todes hinter der Leitplanke der Bundesstraße des Todes … die Schweiz gibt sich an sehr vielen Stellen enorm viel Mühe mit ihren Radwegen, hier an dieser Stelle ist aber noch ausdrücklich enorm viel Luft nach oben. Noch ein Wort zu Radwegen und Benutzungspflicht: In vielen Ländern sind mehrspurige Fahrräder (d.h. mehr als 2 Räder) davon ausgenommen.
Weiter ging es vorbei am wunderschönen Walensee, wo ich mir noch eine kurze Pause am Steinstrand in der Sonne gegönnt habe, um mir meine Strategie mit der Wettersituation zurecht zu legen. Zum einen war die Bewölkung deutlich weniger als in der Vorhersage angekündigt (zum Glück!), der Regen war aber nach wie vor angesagt und im Osten in Richtung Österreich waren bereits zahlreiche dunkle Wolkentürme zu sehen.




Weiter ging es am Rhein entlang hinein nach Liechtenstein und weiter nach Österreich, bis ich schließlich am Fuße des Alberg stand. Die Sonne brannte vom Himmel und ich hatte es geschafft mit über 85% Akkuladung (morgens nur 60%!) am Berg anzukommen und ich legte direkt los – am Anfang geht es nur langsam bergauf und ich legte am Berg vor den letzten 10km bzw verbliebenen 650 Höhenmetern zur Kühlung des Motors noch eine kleine Pause ein – auch ich hatte diese gut nötig nach bereits über 160km an diesem Tag.


Hinter mir in Richtung Schweiz regnete es bereits, hinter dem Arlbergpass nach wie vor eine dunkle Wolkenwand und nur über mir die Sonne. Was für ein Glück! Wäre ich den gesamten Tag unter einer Wolke gefahren, hätte ich es niemals geschafft wurde mir an dieser Stelle schlagartig bewusst! Nach der kleinen Pause ging es in die letzten Kilometer, die es mit Serpentinen und bis zu 12% in sich hatten, eine weitere Motor-Kühlungspause war nötig bis ich schließlich oben am Arlbergpass ankam.

Die unbekannten Motorradfahrer, die das Foto oben von mir machten (danke nochmals!) meinten nur zu mir, ich solle bei der Abfahrt aufpassen, die Straße ist in der unteren Hälfte bereits nass und in Richtung Innsbruck regnet es in Strömen. Ohje dachte ich nur, ich hatte noch 120km bis Innsbruck, es war 18 Uhr und ich wusste, dass ich es mit der verbliebenen Energiemenge schaffen könnte, aber gemütlich würde es nicht werden. Thema Energie: Der Aufstieg von ca. 1000 Höhenmetern ca. 0,8kWh verbraucht, berechnet hatte ich zuvor aus vergangenen Messfahrten einen Bedarf von ca. 1,1kWh.


Egal, es würde die kommenden Tage in Österreich regnen und ich hatte den unbedingten Willen, es heute einfach durch zu ziehen. Und der war auch bitter nötig, die Kaltluftfront vor dem Regen wehte derart stark aus dem Tal die Abfahrt hinauf, dass ich auf den flachen Passagen sogar bergab kurbeln musste, um überhaupt vorwärts zu kommen – von wegen „bergab kann man rekuperieren“. Dank der üppigen Sonne hatte ich aber noch mehr als genug Energie und die paar Wattstunden hin oder her hätten sowieso keinen Unterschied mehr gemacht. Wie von den Motorradfahrern angekündigt wurde die Straße irgendwann nass und irgendwann setzte der Regen ein. Interessanterweise war der Regen unten im Tal bei Landeck wieder vorbei und die Stra0en teilweise schon wieder abgetrocknet und ich dachte schon ich hätte das Glück nun vollends für mich reserviert, bis dann 60km vor dem Ziel das Wetter in der Dunkelheit mit aller Wucht zuschlug. Heftiger Regen, Nebelschwaden und Sprühfahnen der Autos machten in der Dunkelheit die Fahrt enorm herausfordernd und ich befand mich über 3h in dieser Lage. Ja, man ist unter dem Solardach gut vom Regen geschützt, die Füße und Beine werden aber trotzdem nass. Füße in Plastiktüten und Regenhose schützen hier, durch den Schweiß werden diese aber von innen sowieso nass. Letztendlich wird man zusätzlich durch das von den Rädern aufgewirbelte Wasser nass – hier gilt es das richtige Tempo zu finden, dass der Effekt möglichst gering ist. Wenigstens hat meine neue Heckverkleidung einen 1A Job gemacht und jeglichen Spray der Hinterräder unterbunden. Zum Glück gab es keinen Wind und ich konnte es schaffen, am Körper warm zu bleiben und nicht zu sehr zu schwitzen. Kurz vor Mitternacht kam ich letztendlich nach 297km in Innsbruck an und fand sehr schnell ein Hotel, wo ich um die Uhrzeit noch einchecken konnte … Glück gehabt. Soweit die Etappe von Mallorca nach Innsbruck, nach dem Weltcup wird es weiter gehen nach Norden!
