Anders gefragt: Was ist das eigentlich für eine Veranstaltung hier auf der Erde und was ist meine Rolle? Diese Fragen muss sich am Ende des Tages ein jeder selbst beantworten. Ich glaube auch, dass sich die Antwort im Laufe des Lebens verändern kann. Verfeinern, neue Richtungen aufnehmen. Und dort sind wir schon bei meiner Antwort, wie ich sie momentan auf diese Frage formulieren würde: Entwicklung. Das Leben ist Entwicklung, das immer fortwährende Streben nach Erkenntnis und Überzeugung.

Das ist ausdrücklich keine rein philosophische Tätigkeit, die isoliert vom Leben getrennt stattfindet und gepflegt wird, ganz im Gegenteil: Theorie ist und bleibt Theorie ohne praktischen Wert, sofern sie nicht angewendet wird. Die Philosophie oder auch das Weltbild muss ganz praktisch und pragmatisch anwendbar mitten im Leben stattfinden. Mein Leben muss Sinn machen. Ich muss ihm einen Sinn geben. Ich muss an das glauben, was ich tue. Kein blinder Glaube, sondern Glaube, der zur Überzeugung, zur Gewissheit gehört. Wenn ich beim Klettern in der Wand hänge, einen schwierigen Zug mache, und glaube, ich kann den nächsten Griff halten, sieht am absoluten Limit das Ergebnis anders aus, als wenn ich absolut weiß und überzeugt davon bin und bis in die letzte Faser meines Körpers fühle, dass ich den nächsten Griff halten kann. Glaube und Überzeugung. Idee und Gewissheit. Zuerst ist die Idee, der Glaube. Dieser muss geprüft, getestet und gefestigt werden. Aus diesem Erleben folgt dann die Gewissheit und die Überzeugung.

Überzeugung und Gewissheit kann man nicht kaufen, lesen, leasen, ausleihen, abgucken oder erben. Sie kommt nur aus erleben – in allen Facetten zwischen Leid und Freude, wichtig ist nur, dass das Erleben „tief“ und „echt“ ist. Hier ist Krankheit ein sehr effektiver Weg, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann …

Kann ich nun nur mit Leid und Krankheit im Leben vorwärts kommen und reifen? Will ich Krankheit damit glorifizieren?

Nein.

Aber mit brennenden Schuhen läuft es sich schneller auf dem Weg der inneren Reife und Erkenntnis – es gibt aber auch Brandblasen.

Spaß beiseite, ich glaube man kann genauso gut auch an reiner Freude in bewusstem Leben reifen und für sich wertvolle Erkenntnisse und Überzeugungen erlangen. Mein Weg war nun einmal der Weg der Krankheit, und nur über das, was ich auch selbst erlebt habe, kann ich auch wirklich etwas sagen oder schreiben.

Wenn zwei Menschen in einem Labyrinth an verschiedenen Stellen nach dem gemeinsamen und einzigen Ausgang suchen, so werden sie beide total unterschiedliche Herangehensweisen, Beschreibungen der Umgebung und Wege zum Ziel beschreiben. Beide führen jedoch zum gleichen Ziel, trotz völlig unterschiedlichen Erfahrungshorizonten. Eine dritte außen stehende Person mit dem Generalplan in der Hand wird wieder eine ganz andere Schilderung über den Weg zum Ziel liefern können. Trotz der völlig unterschiedlichen Blickwinkel und Erfahrungshorizonte, jeder einzelne hat Recht und alle drei Wege können zum gleichen Ziel führen!

Nächstes Kapitel: Das Schicksal annehmen